6 Tipps: Musizieren für mehr Glück und Resilienz gegen das Altern!

von Elke Galvin August 15, 2023 • 5 Min. Lesezeit
Dass Musik einen wichtigen Beitrag leisten kann, um die Psyche gesund und das Gehirn fit zu halten, untermauert eine neue Studie. Die Neurowissenschaftlerin Dr. Marianna Kapsetaki weiß, wann und wie Musik am besten "funktioniert" und was man vermeiden sollte.
Eine Frau spielt mit Kopfhörern Klavier
Über 80 Prozent der Deutschen, die ein Instrument spielen, geben an, dies aus Gründen der "Entspannung und Erholung" zu tun - ein Hinweis auf einen drastischen Wandel im Verständnis von Musik - weg vom Virtuosentum, hin zum Wohlfühlmusizieren.
✨ Hol dir Spielfreude für Klavier!
Abonniere “All Things Piano” von OKTAV.
Du erhältst ein faszinierendes Akkorde-Poster und exklusiven Content.

Musik ist "Breitensport" geworden

Vorbei die Zeit, als man möglichst jung mit dem Instrumentalunterricht begann, um in weiterer Folge - sofern ausreichend Talent und Motivation vorhanden war - die Aufmerksamkeit eines berühmten Lehrers auf sich zu ziehen, in Ausbildung bei selbigem diverse Wettbewerbe zu gewinnen, schließlich nach gründlichem Studium auf Tournee zu gehen, und insgesamt die Profimusikerlaufbahn einzuschlagen.

Natürlich gibt es diese Biografien noch, aber über 80 Prozent der von OKTAV befragten Deutschen Musiker gaben an, sich NICHT mit dem ehrgeizigen Ziel ans Instrument zu setzen, die Bühnen dieser Welt beherrschen zu wollen. Was ist dann ihr Ziel? "Entspannen", kommt als Antwort, "Zeit für mich", "mir was Gutes tun". Was hat es damit auf sich? Wir sind dieser Frage nachgegangen.

Selbstbestimmt Musizieren macht gesund und glücklich

Dr. Marianna Kapsetaki, Neurowissenschafterin und Pianistin, weist darauf hin, dass es nicht "die eine Antwort" gibt, wie Musik positiv auf den Menschen wirkt. "Musik machen kann so vieles heißen", meint Kapsetaki, die am Imperial College in London forscht, "Man kann ein paar Noten im Monat spielen oder als Profi viele Konzerte spielen. Man kann allein für sich spielen oder mit einer Vielzahl an anderen Musikern. Man kann eine Vorliebe für sehr schnelle, laute Musik haben oder das Gegenteil, langsame, leise Musik lieben. Klassik oder Rock. Nach Noten oder frei von der Leber. Etwas Schwieriges spielen oder etwas Leichtes."

Musizieren ist also etwas sehr individuelles. Das wird in der OKTAV-Studie bestätigt: Wird das Instrument sowie das Genre frei gewählt, bleiben die Musizierenden in weitaus höherem Ausmaß "dran". Wer von Eltern oder Schule ans Instrument gezwungen wird, hört damit deutlich häufiger auf, sobald der Zwang wegfällt.

Musik wirkt gegen Einsamkeit

Ein wichtiger Faktor für unser Wohlergehen durch Musik ist ihre kommunikative Qualität. Einfacher ausgedrückt: Musik verbindet - und das tut uns gut. Einsamkeit geht mit allerlei psychischen Problemen und Belastungen einher. Musik kann dabei ein Werkzeug sein, um Abhilfe zu schaffen - nicht umsonst heißt es, Musik überwindet Grenzen. Vielleicht schaffen wir es nicht, unsere Gefühle einer geliebten Person direkt mitzuteilen, aber mittels Liebeslied gelingt es uns, die gewünschten Gefühle zu übermitteln?

Musik kann auch helfen, Bindungen einzugehen und aufrecht zu erhalten. Kapsetaki führt an: "Fast jede Mutter singt ihrem Baby etwas vor". Auch gemeinsame ideologische Ziele können "verbindend" wirken, was sich etwa durch Singen von Hymnen zeigt, wie jeder Fußballfan bestätigen kann.


Gefühle befreien durch Musik

Es muss nicht immer das methodische Erlernen des Spielens nach Noten sein - manchmal hilft es, sich einfach ans Klavier (oder ein anderes Instrument) zu setzen und seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. "Studien mit europäischstämmigen Amerikanern haben gezeigt, dass die Unterdrückung von Gefühlen mit einer schlechten psychischen Gesundheit einhergeht", führt Dr. Kapsetaki aus, "Improvisation ist ein Weg, wie Menschen ihre Gefühle ausdrücken können."

Musik kann uns in schwierigen Zeiten stabilisieren

Während der Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Isolation wandten sich viele Menschen der Musik und dem Spielen eines Instruments zu. Unsere Studie zeigt, dass Musik von den Menschen genutzt wurde, um ihre Stimmung in schwierigen Zeiten zu stabilisieren. Siebenundfünfzig Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich seit Corona häufiger der Musik zugewandt haben als vor der Pandemie. Vor allem junge Menschen (16-29 Jahre) nannten Musik als einen wichtigen und unterstützenden Aspekt bei der Bewältigung schwieriger Zeiten.

Depressionen: Durch Musik Hoffnung schöpfen

Musik wirkt bei einem Menschen, der an Depressionen leidet, am ehesten dann positiv, wenn

  • Musik prinzipiell gemocht wird
  • das bestimmte Stück Anklang findet
  • positive Konnotationen existieren (also z.B. besonders schöne Erinnerungen damit verbunden sind, oder der Inhalt eines Songs positiv ist)

Natürlich kommt es auch immer auf den Schweregrad der Depression an, und auf mögliche sonstige Begleitumstände, betont die Expertin.

Ein Instrument zu spielen hält unser Gehirn fit

Aus Sicht der geistigen Gesundheit scheint das aktive Spielen eines Instruments einen Vorteil gegenüber dem bloßen Hören von Musik zu haben, wenn es um die "kognitive Reserve" geht - die Entwicklung von Denkfähigkeiten im Laufe des Lebens, um für den Alterungsprozess und eventuelle Krankheiten gerüstet zu sein. Kapsetaki beschreibt: "Im Vergleich zum Spielen (eines Instruments) ist das Zuhören von Musik eher passiv. Es gibt vorläufige Ergebnisse, die darauf hindeuten, dass die kognitive Reserve durch die aktive Beschäftigung mit intellektuell anregenden Tätigkeiten wie dem Erlernen eines Instruments verbessert werden kann."

Finger auf einem Klavier

6 Tipps, um deine geistige Gesundheit mit Musik zu verbessern

  1. Nimm' dir Zeit, um regelmäßig Musik zu hören und/oder zu spielen. Achten darauf, dass es Musik ist, die du wirklich magst und genießen kannst.
  2. Lass' ab und zu Ihren Gefühlen freien Lauf und übe dich im Improvisieren auf deinem Instrument. Perfektion ist hier das falsche Stichwort - es geht darum, loszulassen und dich "frei zu spielen".
  3. Höre vermehrt aufmunternde Lieder und/oder erstelle dir eine Playlist mit Liedern, die dir ein gutes Gefühl geben
  4. Gemeinsames Singen oder Musizieren mit anderen Menschen kann dir helfen, dich weniger einsam zu fühlen.
  5. Wenn sich schwierige Momente anbahnen, kann dir Musik dabei helfen, diese besser zu durchleben.
  6. Lerne ein Instrument zu spielen - in jedem Alter! - um deine kognitiven Reserven zu stärken.

"Aktiv Musik machen: Die Musikalität der Deutschen“ ist eine Studie durchgeführt durch das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von OKTAV. Die repräsentative Umfrage wurde im Juli 2022 unter 1.014 Befragten durchgeführt.

Weitere Ergebnisse zur Studie findest du hier: https://www.oktav.com/de/c/musizieren-deutschland


AUTORIN
Elke Galvin
Elke Galvin ist britisch-österreichische Sängerin und Multiinstrumentalistin. Sie arbeitet seit über 25 Jahren sowohl als Musikerin als auch als Journalistin. Sie ist nicht nur Songwriterin, sondern liebt es auch, über Musik zu schreiben! Ihre Leidenschaft ist es, Musiktheorie leicht verständlich zu machen, über Musikstile zu schreiben, über Musik und das Gehirn, und darüber, wie man Spaß am Lernen und Spielen von Musik hat.

Empfohlene Beiträge